NovoPen von 1986 - wie der Füllfederhalter die Diabetologie verändert hat
Jahr 1986. Der NovoPen kommt auf den Markt - einer der ersten Insulinpens weltweit. Sein Aussehen war kein Zufall.
"It looks like an elegant fountain pen but look again: It's a really unique development in diabetes care" - NovoPen-Broschüre, Squibb-Novo, Inc.
Design mit Oberklasse-Anspruch
In den Werbematerialien lag der NovoPen auf einem eleganten Notizbuch, neben einer Ledertasche und Ausdrucken aus einem Nadeldrucker. Das war kein gewöhnliches medizinisches Gerät. Das war ein Business-Gadget.
Nickel-Chrom-beschichtetes Messinggehäuse
Clip für die Hemdtasche
Miniatur-Spritzenmechanismus im Inneren
Der NovoPen richtete sich klar an eine Zielgruppe, die sich mehr leisten konnte als eine einfache Spritze. Diskretion, Eleganz und einfache Bedienung - das waren die Leitmotive.
Klasse und Status in der Werbung
In der Broschüre sieht man eine schwarze Frau im Business-Anzug, die sich am Schreibtisch Insulin in den Oberschenkel spritzt. Das ist das einzige Bild einer nicht-weißen Person im gesamten Material aus dem Smithsonian-Archiv. Der Rest zeigt weiße Menschen aus Mittel- und Oberschicht, in Büros oder stilvollen Wohnungen.
Die Hersteller machen ziemlich deutlich, wer ihrer Meinung nach solche Pens nutzen soll. Ärmeren oder weniger privilegierten Menschen wird hier kein Platz eingeräumt. Das ist kein Zufall - das ist ein klares Klassen- und Rassendenken hinter dieser "schönen Diabetologie".
Pen statt Spritze - Fortschritt oder Fassade?
Der NovoPen hat das Leben von Millionen erleichtert. Gleichzeitig hat er aber auch Druck aufgebaut: diskret sein, die Krankheit verstecken, ins Bild passen. Wer das nicht tut, gilt schnell als jemand, der "nicht klarkommt". Ich halte das für eine gefährliche Haltung.
Mehr zu Stigmatisierung und Verstecken in #3.