Diskretion hat ihren Preis - wie Insulinpens vor Stigmatisierung schützen
Fortsetzung der historischen Reihe - Teil eins und zwei in den folgenden Links:
Pens und Pumpen: wie Diabetestechnologien ihr medizinisches Gesicht verbergen
Pen NovoPen aus dem Jahr 1986 - wie ein Füllfederhalter die Diabetologie veränderte
Im Jahr 1984 schrieb Jørn Rex, einer der Entwickler des NovoPen, über Diskretion als entscheidenden Vorteil von Pens. Ziel war es, "die Insulintherapie gesellschaftlich akzeptabler zu machen".
Das Problem der Spritze
Warum ist das so wichtig? Die Spritze hat ein miserables Image. Für viele Menschen steht sie nicht für die Behandlung von Diabetes, sondern für intravenösen Drogenkonsum.
"The syringe carries the stigma associated with the act of injecting illicit drugs" - Rentschler und Nothwehr.
Die Autorin des Artikels (Carrie) erzählt, wie sie als Teenager dem Vater ihres Freundes erklären musste, dass die Spritze im Müll nicht von Drogen, sondern von Insulin stammt. Das passiert vielen. Ich habe solche Fragen auch gehört.
Wie löst der Pen das Problem?
Der Pen verbirgt die Nadel und den Mechanismus in einem Gehäuse, das an einen Stift erinnert. Man kann ihn in der Öffentlichkeit benutzen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.
"Several students suggest that patients feel less conspicuous carrying a NovoPen device and more comfortable using it in public compared with a syringe" - Rex, Jensen, Lawton (2006).
Hersteller verkaufen Diskretion als Vorteil. Und ja - der Pen fällt weniger auf als eine Spritze.
Meine Meinung: Das ist nicht eindeutig gut
In der Diabetes-Community gibt es gemischte Gefühle. Sich zu verstecken kann Scham verstärken, das Gefühl nähren, dass "etwas mit uns nicht stimmt", und Distanz zu anderen Menschen mit Diabetes schaffen, die sichtbarer sind.
Ich halte es für problematisch, Pens und Pumpen so zu gestalten, dass sie etwas verbergen sollen. Das sendet ein klares Signal: Diabetes sei etwas, das man verstecken muss. Sinnvoller wäre Normalisierung - zu zeigen, dass Insulin vor anderen zu spritzen nichts ist, wofür man sich schämen sollte. Hersteller profitieren davon allerdings nicht.