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Insulinpumpe mit MP3-Player? Das seltsame Patent von Bigfoot Biomedical

Van Halen in einer Insulinpumpe? Bigfoot Biomedical ließ ein Gerät patentieren, das zugleich Pumpe und MP3-Player sein sollte. Patentanalyse, Kontext und Kritik.

Insulinpumpe mit MP3-Player? Das seltsame Patent von Bigfoot Biomedical

Stell dir vor, deine Insulinpumpe hätte einen eingebauten MP3-Player. Du könntest Kopfhörer einstecken und direkt über das Gerät Musik hören, das dir Insulin abgibt. Auf dem Display erschiene der Songtitel - sagen wir "Cabo Wabo" von Van Halen aus dem Jahr 1988.

Klingt wie ein Scherz. Und doch ist es ein echtes Patent.

Artikelreihe über Diabetes:

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Patent von 2012

Das Unternehmen Bigfoot Biomedical, heute bekannt für seine Arbeit an der künstlichen Bauchspeicheldrüse und für das Hacken von Insulinpumpen, meldete 2012 ein Patent mit dem Titel "Portable Infusion Pump and Media Player" an. Es wurde 2016 genehmigt (US Patent 9,314,566 B2).

In der Anmeldung heißt es: "In particular embodiments, the portable infusion pump system can serve a dual purpose of providing medication and entertainment for the user from a compact and unobtrusive device". Die Pumpe sollte eine Festplatte, einen Kopfhöreranschluss und eine Oberfläche zur Musikwiedergabe haben. Alles in einem Gerät.

The insulin pump-media player diagram in a US patent application for the device

Auf der Patentzeichnung (Abbildung oben aus dem Artikel von Rentschler und Nothwehr) sieht man eine Person mit einer am Gürtel befestigten Pumpe und Kopfhörern, die in das Gerät eingesteckt sind. Im Hintergrund stehen gut sichtbar der Bandname Van Halen und der Songtitel "Cabo Wabo". Das ist keine zufällige Verzierung. Die Entwickler verraten ihren Musikgeschmack und ihre Vorstellung davon, wer der Nutzer ist: ein Fan klassischen Rocks, aktiv, gern unabhängig vom Smartphone.

Rentschler und Nothwehr kommentieren das ironisch: "revealing something of the designers' taste culture and their imagination of who their users might be: fans of the band Van Halen". Treffend.

Warum kam das nicht auf den Markt?

Bigfoot Biomedical brachte dieses Gerät nicht auf den Markt. Vermutlich aus mehreren Gründen:

  • Sicherheit. Ablenkung bei der Insulinabgabe ist ein Risiko. Jemand könnte den Alarm der Pumpe überhören, weil er Musik hört

  • Zusätzliche Kosten. Die Pumpe ist ohnehin teuer (6000 USD), und weitere Funktionen treiben den Preis nach oben

  • Geringe Nachfrage. Menschen mit Diabetes hören Musik lieber über ihr Telefon. Das Telefon tragen sie sowieso bei sich, warum also Funktionen doppeln?

Trotzdem ist das Patent interessant. Es zeigt, wie Hersteller sich die Nutzer vorstellen. Und wie weit die Idee gehen kann, eine Pumpe lifestyle-tauglichen Geräten anzugleichen.

Kontext - Bigfoot Biomedical und DIY Artificial Pancreas

Man sollte ergänzen, dass Bigfoot Biomedical keine beliebige Firma ist. Gegründet wurde sie von Bryan Mazlish, der eine Insulinpumpe hackte, damit sie als geschlossener Regelkreis funktioniert, also als sogenannte Artificial Pancreas. Sein Sohn und seine Frau haben Typ-1-Diabetes. Bigfoot ist bekannt für seinen DIY-Ansatz und für die Automatisierung der menschlichen Arbeit im Diabetesmanagement.

Auf der Website des Unternehmens heißt es: "In the right circumstances, a machine can by and large make better decisions than humans if given the appropriate information and direction. Unlike people, machines never tire, never get distracted". Das ist eine ziemlich radikale Haltung. Und sie passt irgendwie zur Idee der MP3-Pumpe: Die Maschine soll nicht nur Insulin abgeben, sondern auch Unterhaltung liefern.

Meine Meinung dazu

Ich halte das für ein Konzept, das auf dem Papier interessant wirkt, praktisch aber ziemlich verfehlt ist. Wir brauchen keine Pumpe mit MP3. Wir brauchen eine Pumpe, die zuverlässig funktioniert, bequem ist und nicht stigmatisiert. Bigfoot Biomedical ging hier in eine völlig andere Richtung. Schade, denn das Unternehmen hat - oder hatte - Potenzial. Aber offensichtlich trifft es nicht immer die richtigen Entscheidungen.

Nebenbei: Auch die Wahl von Van Halen als kulturelle Referenz sagt einiges. Die Entwickler stammen offenbar aus einer Generation, die in den 80ern aufgewachsen ist. Kein Wunder, dass ihr Nutzerbild jemand ist, der "Cabo Wabo" hört. Das Problem: Diabetes betrifft auch junge Menschen, die womöglich keine Ahnung haben, wer Eddie Van Halen war. Eigentlich haben wir heute MP3 und Pumpe fast in einem - oft dient das Smartphone schließlich als Fernbedienung für die Pumpe..und das Smartphone ist heute ein Multimediazentrum! Mit Unterstützung für Nightscout ebenfalls!